Neubau Historisches Museum, Frankfurt am Main

Auftraggeber: Hochbauamt der Stadt Frankfurt am Main

Architekt: Lederer+Ragnardòttir+Oei

Kosten TGA netto €: 3.705.545,00

Leistungszeit: 2009 bis 2017

Leistung: Planung und Objektüberwachung, Sanitär-, Heizungs-, Kälte- und Raumlufttechnik, Sprinklertechnik, Gebäudeautomation, Löschanlagen

In der Frankfurter Altstadt ist mit der Erweiterung des Historischen Museums ein Neubau entstanden, bei dem die Architekten des Stuttgarter Büros Lederer Ragnarsdottir Oei den Fokus darauf gelegt haben, Moderne mit Tradition zu vereinen. So wirkt der neue Museumsbau wie ein architektonisches Manifest, widersetzt sich der typischen gläsernen Transparenz im Sinne der heute gängigen Glas-Aluminium-Moderne und präsentiert sich mit rauen Natursteinwänden und zwei Satteldächern inmitten des historischen Stadtgefüges. Die Gesamtanlage des Museums besteht aus einem Ensemble von Gebäuden aus verschiedenen Jahrhunderten und dem Neubau mit 10.000 m2 Bruttogrundfläche. Dementsprechend wird das Historische Museum zukünftig über genügend Raum für eine zeitgemäße Ausstellung verfügen. Die ZWP Ingenieur-AG hat für den Neubau Verantwortung für die Planung und Ausführung der technischen Gebäudeausrüstung übernommen. Die technische Konzeption orientierte sich sowohl an den energetisch ambitionierten Planungsrichtlinien der Stadt Frankfurt, als auch an den besonderen Anforderungen eines Museums. So ist unter anderem die richtige Belüftung und Belichtung der Ausstellungsräume essentiell bei der Errichtung eines neuen Museumsgebäudes, da die ausgestellten Kunstwerke in der Regel höchst empfindlich sind. Um die konservatorischen Anforderungen energieeffizient zu erfüllen, ist auf die Gebäudetechnik ein besonderes Augenmerk zu richten. Die Lüftung in Museen hat mehrere wichtige Aufgaben zu erfüllen: Frischluft für Besucher, Abführung von Emissionen (z.B. Kohlendioxid, Wasserdampf und Ausdünstungen des Mobiliars), Vermeidung von Staubeinträgen und die Feuchteregulierung. Von der Stabilität des Innenraumklimas hängt es ab, ob für ein Museum ein freies Lüftungssystem oder eine raumlufttechnische Anlage erforderlich ist. Beim Historischen Museum Frankfurt erfolgt die thermische Konditionierung zum Erreichen der konservatorisch erforderlichen Werte für die Ausstellungsstücke über Flächenheiz- und Kühlsysteme, welche zum überwiegenden Teil als Bauteilaktivierung in die massiven Bauteile (Wände und Dachschrägen) integriert wurden. Der konsequente Verzicht auf Abhangdecken im Ausstellungsgebäude sorgt zudem für einen großflächigen Anschluss der Raumluft an die Massivbauteile. Lufttechnische Anlagen wurden auf den hygienisch erforderlichen Mindestluftwechsel bemessen. Der Neubau präsentiert sich außerdem mit sehr geschlossener Fassade. Hier zeigt sich die Detailarbeit der Architektur, denn mit kleinen Öffnungen ist die Wand durchstanzt, davor liegen massive Sandsteine sowie kaum auffallende Fensterläden, die den Passanten neugierig machen. So konnte auf ein großes Fenster mit Blendungsgefahr verzichtet werden – und darüber hinaus minimieren die wenigen Öffnungen und die dazu sehr gute Dämmung der massiven Außenwände die energetischen Verluste. Um den Anforderungen an den Brandschutz gerecht zu werden, ist der Neubau mit einer Feuerlöschanlage als Hochdrucksprühnebel- löschanlage ausgestattet. Mit dieser Systematik konnte das Leitungsnetz der Feuerlöschanlage mit geringen Rohrquerschnitten ausgebildet werden, die direkt in die Bauteile integriert wurden und im Brandfall sind die erforderlichen Löschwassermengen erheblich reduziert gegenüber anderen Anlagen. Darüber hinaus erfolgt die Wärmeversorgung aus dem örtlichen Fernwärmenetz, zur Kälteerzeugung kommen Hybridkaltwassersätze zum Einsatz, die Kaltwasser in Kombination von Kompressionskälte und Adiabatik (Verdunstungskälte) erzeugen.

 

 

Fotos: © Roland Halbe | 3D-Visualisierungen: © Lederer+Ragnardòttir+Oei, Stuttgart

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