. .
Deutsch
 | 
Wissenswertes

Schlagworte:

S3-Labor

Elektronenmikroskopie

Reinraum

ZWP Ingenieur-AG
Planung und Objektüberwachung für Technische
Gebäudeausrüstung, Gebäudemanagement und Umweltschutz

Labor- und Institutsbau

Biomedizinisches Forschungszentrum Seltersberg, Gießen


Projektdaten

Auftraggeber: Hessisches Baumanagement Regionalniederlassung Gießen

Architekt: Behles & Jochimsen Gesellschaft v. Architekten BDA mbH, Berlin

Kosten TGA netto €: 12.000.000,00

Leistungszeit: 2005 bis 2011

Leistung: LPh 2-9 Planung und Objektüberwachung, Heizungs-, Raumluft-, Kältetechnik, Kühlzellen, Gebäudeautomation


Der Neubau des Biomedizinischen Forschungszentrum am Seltersberg (BFS) in Gießen ist schon auf den ersten Blick durch den ungewöhnlichen Grundriss und die farbig gestaltete Außenfassade als besonderes Bauwerk wahrnehmbar. Auf einer Nutzfläche von ca. 13.600 Quadratmetern entstanden rund 125 Labore, Büroräume, zwei Hörsäle und weitere Räumlichkeiten für Lehre und Studium. Die einzelnen Gebäudeteile sind außen mit farbig eloxierten Aluminiumelementen verkleidet. Die farbige, geschuppte Fassade ergibt gemeinsam mit der organisch gehaltenen Grundform des Gesamtkomplexes einen ersten Eindruck über die komplexe Nutzung des Gebäudes, in dem verschiedene Institute und Forschungsgruppen der Justus-Liebig-Universität interdisziplinär lehren und forschen werden.
Die Gebäudeteile sind um ein gemeinsames Atrium arrangiert, das sich über alle Obergeschosse erstreckt und gleichzeitig als Kommunikations- und Begegnungszentrum fungiert. Das Erdgeschoss ist mit den Hörsälen, den Übungs- und Praktikumsräumen sowie einer Cafeteria im Wesentlichen der Lehre vorbehalten. In den Obergeschossen sind Labore und Büroräume für die Forschung vorgesehen.
Die Wärmeversorgung und Kälteversorgung erfolgt aus dem Fernwärmenetz der Stadtwerke Gießen (SWG). Die Lüftungsgeräte für die Laborbereiche und Hörsäle sind je Gebäudefinger platziert und zur Energieeinsparung mit hocheffizienten Wärmerückgewinnungsanlagen im Kreislaufverbundsystem ausgestattet. Neben den laborüblichen Sonderabluftanlagen für Punktabsaugungen und 24h-Abluft sind spezielle Anlagen für Isotopen- und Virenabluft vorgesehen.
In dem Gebäude ist eine Versuchtierhaltung mit angegliederten S1 und S2-Forschungsbereichen untergebracht. Um die laufenden Versuchsreihen nicht zu beeinflussen, muss eine Kontamination der Versuchtiere von außen vermieden werden. Ebenso darf keine Abluft aus dem Bereich, speziell aus den S2-Räumen, ohne Aufbereitung in die Umwelt gelangen. Daher ist neben einer aufwendigen Filterung der Zu- und Abluft, ein spezielles Druckhaltungskonzept vorgesehen und die Lüftungsanlagen wurden zu 100% redundant ausgeführt. Um den hohen Anforderungen an die Dichtigkeit und Materialbeständigkeit zu entsprechen, wurden alle Lüftungskanäle aus Edelstahl gefertigt und vor Ort verschweißt. Die Aufstellung der Filter und Regelorgane erfolgt außerhalb des eigentlichen Versuchsbereichs, um eine unabhängige Wartung und Bedienung zu gewährleisten.
Noch höhere Anforderungen an die Lüftungstechnik wurden im S3-Bereich gestellt. Dieser wird vollständig im Unterdruck zur Umgebung gehalten und ist nur über Schleusen mit Umkleiden zugänglich. Wegen der Anforderungen an die Gasdichtigkeit der Raumumschließung werden alle ein- und austretenden Leitungen und Kabel über gasdichte Durchführungen geführt. Der Unterdruck wird ständig überwacht und über die Lüftungsanlage nachgeregelt. Die Abluft wird über spezielle Filterboxen innerhalb des S3-Bereichs geführt.
Eine weitere Besonderheit stellt die Elektronenmikroskopie dar. Die besonderen Anforderungen an die Entfeuchtung der Zuluft für die teilweise über flüssigen Stickstoff gekühlten Geräte werden durch eigene Kältemaschinen, die niedrige Oberflächentemperaturen mittels Direktverdampfern gewährleisten, erfüllt. Es kommen Textilauslässe nach dem Quellluftprinzip mit einem speziellen Umluftkonzept zum Einsatz, um die benötigten besonders niedrigen Luftgeschwindigkeiten trotz hoher Wärmelasten in den Mikroskopräumen zu erreichen. In zwei Räumen für konfokale Mikroskope werden auf Grund der hohen Wärmelasten Umluftkühlgeräte vorgesehen, die eigentlich für den Einsatz in Tonstudios entwickelt wurden.


Fotos: © Solveig Böhl (ZWP Ingenieur-AG)


Klicken Sie hier, um diese Seite zu drucken.Seite drucken