LVR-LandesMuseum Bonn

Auftraggeber: Landschaftsverband Rheinland, Köln

Architekt: Herrmann + Bosch Architekten, Stuttgart

Kosten TGA netto €: 1.565.000,00

Leistungszeit: 2017 bis 2020

Leistung: Planung und Objektüberwachung, Fördertechnik, Lichttechnik

Zum 200. Geburtstag des LVR-LandesMuseums wurden die Ausstellungsräume umgestaltet. Von zentraler Bedeutung war hierbei eine moderne barrierefreie Erschließung, klare Wegeführungen und die Umsetzung einer neuen Konzeption des Ausstellungszuganges. In einem ersten Schritt wurde ein zentraler Aufzug eingebaut, der erstmals direkt bis zur Dachterrasse führt. Des Weiteren wurden Foyer, Erdgeschoss und der Veranstaltungsbereich im Untergeschoss umgestaltet. Im Zentrum steht die Neupräsentation des weltberühmten Neandertalers im Foyer des Museums. Bereits im Vorfeld der Neukonzeption wurde die ZWP Ingenieur-AG im Frühjahr 2016 mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragt, um die Umsetzung einer 2er-Aufzugsgruppe in einem verglasten Stahlgerüst-Fahrschacht im Herzen des Neubaus zu prüfen. Die ZWP Lichtplanung ergänzte die Studie mit einem Konzept für eine integrierte Beleuchtung der Verglasung. Die Planung umfasste die Umgestaltung des Eingangsbereiches mit einem neuen Beleuchtungskonzept, die Modernisierung von Elektroverkabelung, Fußbodenheizung und Türluftschleier sowie die Ausstattung eines neuen Empfangstresens mit LCD-Screens für eine zeitgemäße Besucherinformation. Im Untergeschoss erfolgte die Neugestaltung des Foyers des Kinosaals mit Beleuchtung, der Bar, passive Verkabelungen für die Veranstaltungstechnik und Effektbeleuchtung sowie die Modernisierung der Projektor-, Übersetzungs- und Regieräume im Kinosaal mit Elektroverkabelung und Umluftkühlung sowie weitere Anpassungen im Bestand. Herausforderung Aufzug Die Lage der Aufzugsgruppe an der Nahtstelle Eingangsfoyer und Ausstellungsflächen des Museums bedeutete die größte Heraus-forderung der Planung. Einerseits galt es die gestalterischen Vorgaben der Architekten zu beachten, die eine leichte, filigrane Konstruktion mit möglichst wenigen Gerüststreben und großdimensionaler Verglasung anstrebten. Zum anderen mussten technische und baurechtliche Anforderungen berücksichtigt werden. Neben der Gewährleistung des ungestörten Weiterbetriebes des Museums und des angrenzenden Museumsrestaurants wurden die verschiedenen Nutzungsszenarien und Nutzerströme für die Anlagen geprüft. Zudem gab es die Forderung nach einer sehr geringen Geräuschemission sowie sehr hohe Auflagen bei der Einbindung des Aufzuges in den Einbruchschutz mit umfangreichen Sonder- schließungen und Überwachungseinrichtungen durch die offene Konstruktion in der Nahtstelle zum Museum. Der Fahrschacht befindet sich zwischen zwei Brandabschnitten, im Erdgeschoss bildete eine G60-Glaswand zwischen Foyer und Ausstellung die Trennung der Brandabschnitte. Diese Glaswand wird nun unterbrochen. Das Fahrschachtgerüst liegt in Abstimmung mit dem Brandschutzgutachter im selben Brandabschnitt wie die Ausstellungsflächen, welche über einen gemeinsamen Luftraum vom Erdgeschoss bis zum 4. Obergeschoss verbunden sind. Dadurch konnte der Fahrschacht ab dem 1. Obergeschoss aufwärts ohne weitere Brandschutzanforderungen mit der gewünschten großformatigen Verglasung ausgeführt werden. Im Erdgeschoss wurde dieser feuerbeständig mit umlaufenden G60-Glaswänden ausgeführt. Das Licht von kalt zu warm Die Inszenierung des Eingangsbereiches erfolgt mit einer 2 Meter breiten und 23 Meter langen Lichtdecke. Sie leitet die Besucher elegant vom Haupteingang zum Museumseingang und dient zugleich als Zonierung für die offen gestaltete Architektur. Die LED-Lichtdecke überzeugt durch variable Farbtemperatur von Warm- bis Kaltweiß, um gezielt auf individuelle Wünsche und Situationen einzugehen. Aufgrund der sich ergebenden Bestandssituation im Zuge der Ausführung hat die Lichtdecke eine sehr geringe Aufbauhöhe von nur 5,5 Zentimeter. Wartungsfreundlich sind die Betriebsgeräte für die Lichtdecke 25 Meter weit ausgelagert und in einem Technikraum in Schaltschränken untergebracht. Analog zur Lichtdecke sind die vorhandenen 2,50 Meter hohen Glaswände mit Licht inszeniert und bilden eine homogene Einheit. Hier sind oben und unten hinter den Glaswänden LED-Strahlermodule an der Rückwand befestigt. Diese sorgen für eine homogene Lichtverteilung. Die Rückwand wurde zusätzlich weiß gestrichen, um Schattenbildung zu vermeiden. Die Farbtemperatur ist variabel von Warm- bis Kaltweiß. Die Glaswand im Restaurantbereich besitzt zusätzlich farbige RGB-Profile, um auf Veranstaltungen und in den Abendstunden eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen. Durch das Hinterleuchten der Wände und der Lichtdecke wirkt das Foyer einladend, strukturiert, hell und futuristisch. Der Bestand harmoniert perfekt mit dem Neuen.

 

 

Fotos: © format 2d, Bingen am Rhein