RGZM Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz

Auftraggeber: LBB Mainz

Architekt: Bernhardt + Partner Architekten Partnerschaftsgesellschaft mbB, Darmstadt

Leistungszeit: 2012 bis 2020

Leistung: Planung und Objektüberwachung, Sanitärtechnik, Heizungstechnik, Raumlufttechnik, Mess-, Steuer- und Regeltechnik

In Mainz schreitet der Neubau für das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM), Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, zügig voran. Der Bauplatz ist gut gewählt, er liegt direkt vis-a-vis zum Museum für Antike Schifffahrt und bezieht diesen Forschungsbereich des RGZM in das Gesamtkonzept ein. Zudem liegt der Neubau in unmittelbarer Nähe zu einer archäologischen Sehenswürdigkeit von Mainz: dem römischen Theater – einst das größte nördlich der Alpen. Im Neubau des RGZM werden die Infrastruktur eines Forschungsinstitutes mit musealen Flächen zur Präsentation und Vermittlung in die Öffentlichkeit zusammengeführt. Dazu zählen unter anderem die Restaurierungswerkstätten und Labore, Büros und Konferenzräume für Wissenschaft und Forschung, eine der größten Fachbibliotheken für interne und externe Nutzer, Depots und Ausstellungsflächen für das Sammlungsgut sowie die Verwaltung.

Diese unterschiedlichen Bereiche eines Forschungsmuseums der Leibniz-Gemeinschaft stellen stark divergierende Anforderungen an die technische Gebäudeausrüstung – eine große Herausforderung für alle beteiligten Fachplaner, von den Architekten über die beteiligten Gewerkeplaner bis hin zur ZWP Ingenieur-AG. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Planung der Restaurierungswerkstätten und der Laboratorien dar, die der ZWP Ingenieur-AG übertragen wurde und die auch die Planung der kompletten Labor- und Werkstatteinrichtung einschloss. Die Werkstätten zählen zu den weltweit größten und bedeutendsten Einrichtungen dieser Art. Dem Bereich Restaurierung/ Konservierung sind insgesamt 30 Werkstätten und Labore zuzuordnen, in denen über 30 Mitarbeiter archäologische Objekte restaurieren und konservieren, radiografisch und naturwissenschaftlich untersuchen und dokumentieren. Entsprechend der großen Vielfalt der im archäologischen Fundkontext vertretenen Materialien sind die Restaurierungswerkstätten materialspezifisch ausgerichtet: so gibt es unter anderem Werkstätten für Keramikrestaurierung, für Glasrestaurierung, zwei Goldschmiedewerkstätten und drei Werkstätten für die Restaurierung metallener Objekte. Dazu kommen noch je zwei Werkstätten für Abformungen/Nachbildungen und Mikrosandstrahlen sowie eine Werkstatt für Kolorieren. Der Peripherie der Restaurierungswerkstätten zuzuordnen sind unter anderem Werkstätten für Galvanische Bäder, Cyanidische Vergoldung und Versilberung, ein Mess- und Mikroskopieraum, eine Schmiede, eine Schlosserei und eine Werkstatt für Ausstellungstechnik. Für radiografische Untersuchungen von archäologischen Objekten und Blockbergungen komplizierter Fundensembles stehen den Forschenden eine industrielle Röntgenröhre und ein hochleistungsfähiger 3D-Röntgenscanner aus dem Bereich Materialprüfung zur Verfügung. Für naturwissenschaftliche Analysen gibt es ein stationäres und eine portables Mikro-Röntgenfluoreszenz-Gerät sowie einen Raum für Probenpräparation. Die Werkstätten sind mit einer zentralen Staubsauganlage ausgestattet, in fünf ausgesuchten Werkstätten wird diese durch dezentrale Absauganlagen in Umluftbetrieb ergänzt, die zur Reduzierung schädlicher Lärmemissionen schallgeschützt eingehaust sind. Zur Dokumentation dienen ein großes teilbares Fotostudio, ein Raum für die digitale Nachbearbeitung von Fotos, sowie zwei Grafik- und Designwerkstätten. Der Trocknung von im Werkstattbereich des Museums für antike Schifffahrt konservierten archäologischen Nassholzfunden dient eine im Erdgeschoss des Neubaus untergebrachte und von außen zugängliche raumgroße „Mikrowelle“. Der dreigeschossige Museumstrakt wird zukünftig auf zwei Etagen die neu konzipierte und gestaltete Dauerausstellung des RGZM präsentieren, eine Etage ist für Wechselausstellungen vorgesehen. Großzügige Fensterflächen gewähren schon von außen Einblicke in die Ausstellung. Um in den Ausstellungsräumen möglichst große Gestaltungsspielräume zu haben, wurde auch die technische Gebäudeausrüstung höchst flexibel geplant, unter anderem mittels dezentraler Luftaufbereitungsanlagen in der abgehängten Decke der Ausstellungsflächen. Für die Installationen in der Decke wurde auf ein flexibles System Wert gelegt, sodass Ausstellungsvitrinen und Beleuchtung bei Bedarf leicht versetzt werden können. Dabei wurde jederzeit auf ein angemessenes Verhältnis von Anforderungen und Nutzungsqualität zu den Herstellungskosten geachtet. Für die Lagerung des Sammlungsguts, das nicht in der Ausstellung gezeigt wird, stehen große Depotflächen zur Verfügung, die unterschiedlichen klimatischen Anforderungen gerecht werden müssen: zum Beispiel Depots für Organika 13°C ± 2K, 58% ± 5% im Gegensatz zu Depots für Ton/Glas/Stein 25°C ± 5°C, 50% ± 10%). Außerdem befinden sich zwei Tresore für besonders wertvolle Funde im Untergeschoss des Gebäudes – einer der Tresore ist dabei vollklimatisiert mit einer Raumlufttemperatur von 13°C ± 2K und einer relativen Feuchte von 25% ± 5%. Insgesamt wird der Neubau mit neun Zentrallüftungsanlagen und sechs raumorientierten Nachbehandlungseinheiten belüftet, daneben sind Entrauchungsanlagen in Bibliothek, Depots und Ausstellungsflächen platziert. Mit Ausnahme der Büros können alle Räume über die Gebäudeautomation individuell geregelt werden. Der Neubau soll bereits im 1. Quartal dieses Jahres fertiggestellt sein und in einem halbjährigen Probelauf auf einwandfreies Funktionieren der technischen Infrastruktur geprüft werden. Der Umzug des RGZM mit seinen rund 200.000 bedeutenden archäologischen Funden ist anschließend für das 4. Quartal dieses Jahres geplant.

 

 

© Visualisierung: Architekten Bernhardt + Partner